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Das Ende des Schuldenstreiks

Ausschluss aus der Anwaltschaft

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Pressemitteilung der Rechtsanwaltskammer vom 09.11.2017 >>

ANMERKUNG: In der Pressmitteilung fehlt die Angabe der anwesenden und stimmberechtigten Mitglieder

Das Quorum dürfte wiederum bei ca. 1% gelegen haben.

Dies wurde pflichtwidrig nicht in der Pressemitteilung angegeben.

 

 

The Elephant In The Room

Warum Bankenregulierung Banken nicht in die Schranken weisen wird

„The elephant in the room“ ist eine englische Redewendung, mit der zum Ausdruck gebracht wird, dass das wesentliche Problem, das allen bekannt ist, nicht angesprochen wird.

Genau dies ist bei der wohl bisher prominentesten Podiumsdiskussion zur Finanz- und Bankenkrise, nämlich der Veranstaltung von Bündnis90/Die Grünen am 28. Mai 2013 im Haus am Dom „Boring Banking – Vom Bankbeamten zum Investmentbanker – und zurück?“ passiert.

Die beiden Podiumsrunden am Vormittag und am Nachmittag waren höchstrangig besetzt.

Zum Thema „Brauchen wir einfachere Bankenregeln?“ diskutierten Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands Deutsche Bundesbank und Dezernent für Finanzstabilität, Andy Haldane, Executive Direktor for financial Stability der Bank of England, Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG und Gerhard Schick, MDP Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher für Finanzpolitik.

Die Diskussionsrunde am Nachmittag zu dem Thema „Die Europäische Bankenunion – welche Gemeinschaftssysteme sind zusätzlich notwendig?“ bestand aus Jörg Asmussen, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), Ludgar Gooßens, Geschäftsführendes Vorstandmitglied Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) und Thomas Losse-Müller, Staatssekretär im Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein.

 

Erste Runde

Nach Abschluss der ersten Podiumsdiskussion gab es Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Fragesteller leitete seine Frage ein mit dem Satz „I would like to adress the elephant in the room“ und stellte die Frage an das Podium, ob Geschäftsbanken Geldschöpfung aus dem Nichts betreiben, falls dies der Fall ist, ob dies reguliert werden solle und wenn ja, mit welcher Zielsetzung.

Die Frage beantwortete als einziger aus dem Podium der damalige Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Er bedankte sich zunächst dafür, dass die Frage so direkt gestellt worden war und bemerkte, dass es eine sehr gute Frage sei.

Dann führte er aus, dass er das Kreditgeschäft der Deutschen Bank seinen zwei Söhnen immer so erklären würde, dass die Deutsche Bank die (Spar)einlagen ihrer Kunden zur Kreditvergabe verwenden würde („we are turning savings into capital“).

Zu dieser Antwort bemerkte später Herr Gooßens, geschäftsführendes Vorstandmitglied Deutscher Sparkassen- und Giroverband, dass ihn doch etwas überrascht habe, zu hören, dass die Deutsche Bank wie eine Sparkasse arbeitet.

Nach den mittlerweile empirisch belegten Erkenntnissen führender Ökonomen, die sich mit dem Thema Geldschöpfung beschäftigt haben, wird etwa 95 % des (Buch)Geldes, welches die Geschäftsbanken (auch Sparkassen) ihren Kreditkunden verleihen, von den Geschäftsbanken selbst durch einen Buchungssatz mit Bilanzverlängerungseffekt erzeugt.

Die Geldschöpfung ist auf unsachgemäße Buchhaltungsregeln und deren falsche Interpretation zurückzuführen. Dies wird im offenen Brief eines international anerkannten Wirtschaftsprüfers mit der "Aufforderung zur Überarbeitung der Buchhaltungsvorschriften" bestätigt.

Die Antwort von Herrn Anshu Jain lässt die Vermutung zu, dass auch die Deutsche Bank die Buchgeldmenge weiter ausweiten wird. Die Inflations- und Blasenbildungsgefahr, insbesondere auf den sogenannten Asset-Märkten (Immobilien, Aktien) wird dadurch zumindest nicht verringert. Es bedeutet außerdem, dass Kreditkunden weiterhin für „Thin Air“ Zinsen bezahlen und Realsicherheiten stellen sollen.

Wie die Geldschöpfung der Geschäftsbanken über eine Kreditvergabe funktioniert, ist von Prof. Dr. Werner empirisch mit folgenden Ergebnis erforscht worden: „The money supply is created as ´fairy dust` produced by the Banks individually, „out of thin air“.

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521914001070

 

Zweite Runde

Auch nach Abschluss der Diskussion der zweiten Podiumsrunde am Nachmittag, die eine eher europäische Perspektive der Bankenregulierung zum Thema hatte, war es möglich, nach deren Abschluss Fragen zu stellen.

Diesmal befragte der Fragesteller das Podium zu dem Problem der Geldmengenausweitung, wobei er ausführte, dass es dort zu einer Blase bei der Buchgeldmenge gekommen ist, die auch bei vielen Finanzexperten als das größte Problem bei der Bewältigung der Finanzkrise angesehen wird. [Lord Adair Turner] Teufel oder Schulden? http://blogs.faz.net/fazit/2016/02/10/was-ist-schlimmer-schulden-oder-der-teufel-7291/
Er stellte dann die Frage, ob denn diese Blase mit Billigung der Aufsichts- und Regulierungsbehörden entstanden ist und wie man diese in den Griff bekommen könne.

 

Herr Asmussen erläuterte, dass die Zentralbankgeldmenge, unter Fachleuten M0 genannt, von der EZB erheblich ausgeweitet worden sei zwecks Bewältigung der Krise, allerdings davon keine Inflationsgefahr ausgehen würde. Er kam dann noch auf die Geldmenge M3 zu sprechen. Die sei nur noch geringfügig gewachsen. Ein weiteres Wachstum würde nicht zugelassen, eine Inflationsgefahr ginge davon nicht aus. https://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge

 

Prof. Richard A. Werner erläuterte im Juni 2012 die Geldschöpfung in einer Podiumsveranstaltung u.a. mit J. Asmussen (ab Minute 35:30)

Folgeveranstaltung am 12.12.2014 „Der Weg zu einen besseren Finanzsystem“

In der Symposiumsveranstaltung von Bündnis90/Die Grünen am 12.12.2014 "Der Weg zu einem besseren Finanzsystem" wurde die Thematik erneut behandelt.

Die Key-Note zu dieser Veranstaltung wurde von Adair Lord Turner präsentiert.

Adair Lord Turner war Vorsitzender der britischen Finanzmarktaufsichtsbehörde von 2008 bis 2013 und Direktoriumsmitglied der Bank of England. Er betonte, dass der Weg zu einem besseren Finanzsystem nur beschritten werden kann, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass private Banken Geld schöpfen und nicht Geld verleihen. Auch die in der Veranstaltung anwesenden Chef-Volkswirte der KfW und der Helaba bestätigten auf Nachfrage diesen Sachverhalt, den die Deutsche Bundesbank in Ihren Schulungsmaterialien erläutert:
bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Service/schule_und_bildung_kapitel_3.html

 

Dritte Runde

„Die nächste Finanzkrise“
Deutsche Bank warnt in einer Anlyse vom 18.09.2017 vor schweren Verwerfungen im Finanzsystem

In einer am Montag, den 18. Sept. 2017, veröffentlichten Analyse mit dem Titel „Die nächste Finanzkrise“ hat die Deutsche Bank die Krisenanfälligkeit des modernen Finanzsystems analysiert. Den Analysten der Bank zufolge steht dem System in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich ein schwerer Schock bevor. Die in schneller werdenden Abständen eintretenden Krisen seien die Folge der Abschaffung der Goldbindung des Dollar und anderer wichtiger Währungen im Jahr 1971.

Nachdem das System von Bretton Woods einseitig von der damaligen US-Regierung unter Richard Nixon aufgekündigt und das Zeitalter der nicht mehr an Edelmetalle gebundenen Fiat-Währungen eingeläutet wurde, hätten zahlreiche Krisen in schneller Folge das Finanzsystem erschüttert, schreibt Chefstratege Jim Reid.

Dazu gehören beispielsweise die beiden Öl-Schocks in den 1970er Jahren, mehrere Staatsbankrotte aufstrebender Länder in den 1980er Jahren, das Platzen der Blase am japanischen Aktienmarkt in den 1990er Jahren, die mexikanische „Tequila-Krise“ im Jahr 1994, die Finanzkrise in Asien 1997, der Bankrott Russlands sowie der Crash des US-Hedgefonds Long Term Capital Management im Jahr 1998, die „Dotcom-Krise“ im Jahr 2000, die Finanzkrise von 2008 und die Euro-Krise der Jahre 2010 bis 2012.

Zitate aus der Studie:

„Wir denken, dass die finale Abkehr von den Edelmetall-Währungssystemen – die in den Jahrhunderten zuvor herrschten – und die Implementierung eines Fiat-Geldsystems zu Haushaltsdefiziten, steigenden Schulden, massiver Kreditschöpfung aus dem Nichts, expansiver Geldpolitik, global wachsenden Ungleichgewichten, finanzieller Deregulierung und instabilen Märkten geführt hat“, schreibt Reid in der Analyse. „Die Aufgabe der Golddeckungen bei verschiedenen Währungen im vergangenen Jahrhundert korreliert auffallend mit unserem Indikator für Krisen und Schocks. Es zeigt sich, dass sich die Anzahl der Schocks erhöht, wenn man sich von Edelmetall-gedeckten Währungssystemen verabschiedet.“

„Indem drohende Krisen kontinuierlich mit monetären Stimuli bekämpft werden und das reinigende Gewitter nicht zugelassen wird, werden die Probleme in andere Bereich des Finanzsystems verschoben und werden sich auf Dauer in einer noch größeren und unkontrollierbareren Krise entladen.“

„Es gibt im gegenwärtigen System keinen Punkt mehr, in dem die Exzesse aufgrund einer zurückhaltenden Kreditschöpfung eingedämmt werden können. Aus diesem Grund sind wir recht sicher, dass es bald zu einem weiteren Schock kommen wird und dass das auch solange weitergehen wird, bis wir stabilere finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen haben.“

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/09/20/deutsche-bank-warnt-vor-schwerem-schock-im-finanzsystem/

 

Zur Rechtslage der Geldschöpfung aus Nichts:

http://geldhahn-zu.de/GHZ-DP_Kein Recht zur Geldschoepfung_SLO-Links_v2-2_t.pdf

 

Vierte Runde - Der Börsencrash steht bevor: Was man nicht tun sollte.

Augen zu und durch?

„Augen zu und durch“, so lautet die Titelüberschrift eines Artikels von Anne Seith im letzten Spiegel (DER SPIEGEL 44/2017). Thema des Artikels ist das permanente Steigen der Aktienkurse in den letzten Jahren.
Am Schluss des Artikels wird der Verbraucherschützer Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, zitiert.
Er rät dazu, Geld in Aktien anzulegen, als Mittel einer langfristigen Altersvorsorge und empfiehlt ETFs (Exchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfond https://www.justetf.com/de/academy/was-sind-etfs.html).

Anne Seith umschreibt sie als „Wertpapiere …, die schlicht einen Aktienindex nachbilden“ und kostengünstig zu erwerben sind. Man solle breit streuen und dazu nicht den Dax als Referenzindex nehmen, sondern den MSCI World, ein Aktienindex, der die Wertentwicklung der Aktien von 23 Industrieländern weltweit widerspiegelt https://de.wikipedia.org/wiki/MSCI_World).

Nauhauser hält das Risiko auf lange Sicht für überschaubar. Wer in der Vergangenheit mindestens 12 Jahre lang investiert geblieben ist, habe nur in Ausnahmefällen einen nominalen Verlust gemacht – egal wann er eingestiegen ist.

Crashs müsse man nur aushalten, „Augen zu und durch“ lautet das Motto.

Diese Einschätzung mag für die vergangenen Jahre richtig gewesen sein. Jedenfalls in den Fällen, in denen börsennotierte Unternehmen nicht verschwunden sind und ihre Aktien und Unternehmensanleihen noch gehandelt wurden. Außerdem durfte man vor Erholung der Kurse nicht arm und krank werden, also auf den Umtausch der „Wertpapiere“ in Geld angewiesen sein, mit dem man ausreichend Lebensmittel kaufen und den Arzt und das Krankenhaus bzw. die Krankenkasse bezahlen konnte. Natürlich sollte einen auch noch nicht vor der Kurserholung der Tod ereilt haben.

Ob allerdings bei dem jetzt anstehenden Crash die Börsen in der heutigen Form und Funktionsweise noch weiterbestehen werden, muss bezweifelt werden.

Denn schon wieder ist es zu diesen extremen Fehlbewertungen durch Börsenkurse gekommen, die eine enorme Wertsteigerung der börsennotierten Unternehmen, also den Wirtschaftsmotoren, vorgaukeln, obwohl das reale Wirtschaftswachstum noch nicht einmal ansatzweise mit diesen Kurssteigerungen von Dow Jones und Dax mithält.

Hinzu kommt, dass vor allem die US-Internetunternehmen Apple, Facebook, Amazon, Microsoft und Google („The Big Five“) an den US-Börsen mit zusammen 3 Billionen Dollar derzeit bewertet sind, fast doppelt so viel wie sämtliche Dax-Konzerne zusammen. Auf die Big Five entfielen dann auch noch 40% des Zugewinns des Börsenindexes S&P (Standard und Poor´s Aktienindex der weltweit 500 größten Unternehmen https://de.wikipedia.org/wiki/S%26P_500) im ersten Halbjahr 2017.

Was aber produzieren die „Big Five“? Lebensmittel, Häuser, Kleidung, Autos, Opern- und Theaterhäuser, Fußballstadien, Kirchen usw.?
Nein. Bits und Bytes, Hard- und Software, neuartige Kommunikationsgeräte, mittlerweile sogar Währungen (Stichwort „Bitcoins“), alles strombasiert, Spannungszustände, die in Rechnern mit nahezu Lichtgeschwindigkeit sich nach Befehlen ändern und visualisiert und vertont werden, damit menschliche Sinne damit etwas anfangen können.
Im selben Spiegel (DER SPIEGEL 44/2017) ist unter dem Titel „Abschied vom immer Mehr“ einem Interview mit dem Forscher Reiner Klingholz zu entnehmen, dass die hohen Wachstumsraten vorbei seien:

SPIEGEL: Schon in den Sieb­zi­ger­jah­ren warn­ten Wis­sen­schaft­ler vor dem Ende des Wachs­tums. War­um soll es jetzt, mehr als 40 Jah­re spä­ter, so weit sein?

Kling­holz: Die­se al­ten War­nun­gen wa­ren öko­lo­gisch be­grün­det und wur­den nicht wirk­lich er­hört. Was wir jetzt er­le­ben, ist ein struk­tu­rell be­ding­ter Rück­gang, der seit Lan­gem an­dau­ert. Seit dem Wirt­schafts­wun­der in den Fünf­zi­ger­jah­ren schwächt sich das Wachs­tum im Zehn­jah­res­mit­tel ten­den­zi­ell ab. Es ist höchst un­wahr­schein­lich, dass wir zu den ho­hen Ra­ten der Ver­gan­gen­heit zu­rück­keh­ren. Die gol­de­ne Zeit des „Im­mer mehr“ ist vor­bei, We­ni­ger, Sta­gna­ti­on oder gar Schrump­fen wird zur neu­en Nor­ma­li­tät.

Anscheinend sieht der Forscher Klingholz in diesem Wachstum der Börsenkurse, insbesondere der „Big Five“ nicht das Wirtschaftswachstum, mit dem die Altersvorsorge und die Sozialsysteme finanziert werden können.
Er wird mit dieser Einschätzung wahrscheinlich richtig liegen.

Bits und Bytes pflegen nicht, heilen nicht, können nicht gegessen werden, können sich nicht unterhalten und schon gar nicht lieben.

Letzteres braucht aber jeder Mensch, um Mensch zu sein.

Was aber geschieht, wenn Menschen, die z.B. pflegen können, nicht mehr bereit sind, dies für die Überweisung von Bits und Bytes zu tun, weil diese Zahlenreihen nichts wert sind oder sie sich nicht mehr mit Zahlenreihen auf Bankkonten von Banken bezahlen lassen möchten oder mit ihnen nichts mehr gekauft werden kann, weil der Crash zur Entwertung der Zahlenreihen in Rechnern und auf virtuellen Kontoauszügen geführt hat?

Die „Big Five“ jedenfalls werden vor allem den Kleinaktionär nicht versorgen und heilen und schon gar nicht küssen oder streicheln. Das tun sie jetzt schon nicht und im und nach dem Crash erst recht nicht. Ihre Mitarbeiter schreiben Algorythmen, entwickeln Hardware und sammeln Daten über ihre Kunden, damit diesen passgenau Produkte verkauft werden können, die heutzutage sehr häufig krank und unfruchtbar machen, durch Umweltzerstörung entstehen und meist zu einem guten Leben nicht erforderlich, häufig sogar dafür ungeeignet und schädlich sind.

Wenn der Kleinaktionär dann auch noch begreifen würde, dass die Kurssteigerungen an den Börsen und auch das rasante Ansteigen der Immobilienpreise, vor allem in guten Wohnlagen in den Städten, mit etwas zu tun hat, was Professor Bernd Senf bereits 1996 in seinem nach wie vor empfehlenswerten Aufklärungsbuch „Der Nebel um das Geld“ die „Geldschöpfung aus dem Nichts“ (durch Geschäftsbanken) genannt hat (S. 158), dann könnte das eintreten, was bereits Henry Ford 1937 prognostiziert haben soll: eine Revolution noch vor morgen früh. Das könnte dann in der Abschaffung des Börsenkapitalismus enden. „Dauerhaft geschlossen“ würde man dann im Internet lesen, wenn man die Webseiten der Börsengesellschaften aufsucht.

Was Henry Ford dabei vor Augen gehabt haben könnte, hat jetzt kürzlich Dr. Wolfgang Freisleben, ein österreichischer Autor und Verleger, in einem Artikel mit der etwas reißerischen Überschrift „Aufgedeckt: Wie die Banken Geld aus Luft erzeugen“ recht verständlich und weitgehend zutreffend zusammengefasst: http://www.freisleben-news.at/.

Zitat aus der Einleitung:

Bei jeder Kreditvergabe erzeugen Banken Geld aus dem Nichts. In den Lehrbüchern steht es anders. Doch der deutsche Finanz-Professor Richard Werner hat es 2014 empirisch nachgewiesen. Jetzt publiziert endlich auch die Deutsche Bundesbank auf ihrer Website die Wahrheit. Das muss Konsequenzen haben…

Nun, kürzlich aufgedeckt wurde dieses Geheimnis sicherlich nicht (siehe Bernd Senf´s Aufklärungsbuch von 1996). Allerdings dürfte das Wissen darüber jetzt doch eine kritische Anzahl von Menschen erreicht haben.
Die fragen sich natürlich, mit welchem Recht Banken (und auch Sparkassen) von ihnen Zinsen verlangt haben und weiterhin verlangen, obwohl sie das Geld, was sie angeblich als Darlehen verliehen haben, vor dem Verleihen nicht hatten, sondern selbst durch Ausdruck einer Zahlenreihe mit Währungszeichen, z.B. €, erst erschaffen, „geschöpft“ haben. Akademisch verbrämt „Fiat-Money“ genannt.

Das hat sie selbst nichts gekostet. Der Zeitaufwand für diesen Buchungsakt, der gleichzeitig der Schöpfungsakt für das Geld gewesen ist und deshalb auch Buchgeld genannt wird, war nur sehr gering, insbesondere im Vergleich zum Zeit- und Arbeitsaufwand, den der Darlehensnehmer betreiben muss, um der Bank oder seiner Sparkasse das empfangene Geld wieder zurückzahlen.

Die Banken rechtfertigen dies damit, dass der Darlehensnehmer doch dafür, also für das ausgezahlte und dann an den Wohnungsverkäufer überwiesene Darlehen das Haus oder die Wohnung erhalten hat, die er sich so sehnlich für sich und seine Familie gewünscht hat. Und das stimmt ja auch, der Wohnungsverkäufer hat ihm für diese Überweisung die Wohnung zu Eigentum übertragen, sie gehört ihm jetzt.

Also muss er natürlich die Schulden, die er dafür eingegangen ist, zurückzahlen, mit Zins selbstverständlich. Natürlich ist es auch nur fair, dass die Bank oder Sparkasse etwas dabei verdient, also ihre eigenen Kosten, insbesondere ihren sogenannten Refinanzierungsaufwand erstattet bekommt und sie darüber hinaus noch eine sogenannte Marge (einen Gewinnaufschlag, meist zwischen 0,5 bis 1,5%) verlangen darf, die dem Kunden ohne weiteres angemessen erscheint.

Allerdings trügt diese Vorstellung von der Leistung der Bank und lässt für jeden, der das erste Mal versteht, was die Banken untereinander in Wirklichkeit machen, wenn Geld von einem Bankkonto auf das andere überwiesen wird, eine Welt zusammenbrechen.

Er hat dann nämlich gelernt, dass der Empfänger des Geldes, auf dessen Konto vermeintlich das Geld überwiesen worden ist, ebenfalls nur aus dem Nichts geschöpftes Geld erhalten hat, also reines Buchgeld, was nicht wertgedeckt gewesen ist und seine Wertdeckung durch den Kreditnehmer selbst erhalten hat. Wieso, fragt sich der Unkundige. Nun, man wird ihm als Aufgeklärter in etwa wie folgt antworten:

Die Bank hat doch Sicherheiten verlangt, z.B. die Eintragung von Grundschulden an der zu kaufenden Wohnung oder die Sicherungsübereignung des neuen PKW, die mit dem Bankdarlehen finanziert worden sind, nicht wahr? Und, hat sie nicht auch noch die Verpfändung des Gehalts verlangt und die Bonität geprüft? Der Bankkunde wird nicken und ja sagen. Wahrscheinlich wird er auch gleich hinterherschieben, dass dies Bedingung für die Auszahlung des Darlehens gewesen ist.

Er weiß nicht, dass die Bank in Wahrheit ihm kein schon vorhandenes Geld verliehen hat, sondern nur das Versprechen abgegeben hat, ihm Geld, verstanden als Bargeld, auszuzahlen, und das auch nur dann, wenn es der Kunde verlangt. Wahrscheinlich würde er gar nicht erst ein Darlehen bekommen, wenn er es bar ausgezahlt bekommen möchte.

Der Empfänger der Überweisung erhält ebenfalls nur das aus dem Nichts geschöpfte Geld und wird in aller Regel nicht testen, ob es gedeckt ist und die Barauszahlung verlangen.

Allerdings besteht jetzt, nach der Überweisung, zumindest theoretisch, eine Deckung durch die Sicherheiten, die die Bank sich vom Kunden hat geben lassen.
Das zunächst aus dem Nichts geschöpfte Geld hat damit einen Wert zumindest in Höhe der Sicherheiten erhalten (vorausgesetzt, die Sicherheiten sind nicht überbewertet).
Die Sicherheiten werden aber nicht auf den Empfänger der Überweisung und auch nicht auf dessen Bank übertragen. Sie bleiben bei der Ursprungsbank, die dem Kunden den Kredit gegeben hat.

Der Empfänger merkt nicht, jedenfalls solange er im Bankensystem bleibt und mit der Überweisung ihm erbrachte Leistungen und Produkte bezahlt, dass auch er nur eine Zahlenreihe mit Währungszeichen erhalten hat. Er hält die Zahlenreihe für Geld (mit einem inneren Wert oder einer Wertdeckung), weil er ja durch Überweisungen Produkte kaufen kann oder auch am Automaten Bargeld dafür erhält. Größere Summen will er sowieso nicht als Bargeld haben.

Es wäre unpraktisch und auch ein Sicherheitsrisiko und die Bezahlung umständlicher und aufwendiger.
Hinzu kommt, dass die Banken (und dasselbe gilt für Sparkassen) Bargeldauszahlungen, vor allem größere Summen ungemein erschweren und sich der normale Kunde beinahe als Schwerverbrecher und Bankräuber empfindet, wenn er mehr als 10.000€ abheben möchte. Was die Banken nicht verraten: Würden viele Kunden größere Summen bar ausbezahlt verlangen, vor allem regelmäßig, würde ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren bzw. ihre Wettbewerbsfähigkeit leiden.

Bargeldauszahlungsverlangen sind grundsätzlich Gift für die Bankbilanz und führen zu erhöhtem Aufwand, insbesondere Refinanzierungskosten. Wenn die Bank viele Kunden hat, die die Darlehen in bar ausbezahlt bekommen möchten, gerät sie ganz schnell ins Schlingern und wird wettbewerbsunfähig.

Sie müsste dann nämlich die Sicherheiten einsetzen, um sich von der Zentralbank Bargeld zu besorgen und könnte keine Hebelgeschäfte mehr mit z.B. Pfandbriefen, verbrieften und handelbaren Grundschulden machen und sich refinanzieren, um z.B. Investmentbanking und ähnlich undurchsichtige, aber hoch lukrative Geschäfte zu machen, statt dem Kunden endlich das Darlehen in bar auszuzahlen.

Die verdeckte Geldschöpfungsmacht stellt natürlich eine Versuchung dar und öffnet Missbräuchen Tür und Tor, vor allem, wenn die Aufsichtsbehörden ein Auge zudrücken und das Verbot des § 3 Nr. § 3 Kreditwesengesetz (KWG), der solche Kreditgeschäfte verbietet, nicht zur Anwendung bringen.

Es kam und kommt deshalb immer wieder zu sogenannten Überfinanzierungen (auch Blancokredite genannt), also Kreditierungen mit selbst geschöpftem Geld, die nicht ausreichend durch adäquat werthaltige Sicherheiten gedeckt sind.

Die Folge ist eine nicht durch reales Wirtschaftswachstum gedeckte Erhöhung der (Buch)geldmenge, deren Anteil an der Gesamtgeldmenge aus Buchgeld und Bargeld im Laufe der Jahre immer größer geworden ist.
Der Anteil liegt mittlerweile bei über 95% der Gesamtgeldmenge. Mit anderen Worten: Über 95% der Geldmenge besteht aus von Banken (und Sparkassen) aus dem Nichts geschöpften Geld, das überwiegend nicht durch Wirtschaftswachstum gedeckt ist.

Dieses Geld, von den Bankern auch Liquidität genannt, sucht verzweifelt Anlage und fließt wegen der ungeheuren Mengen in die klassischen Auffangbecken, also Börsen und Immobilien und treibt zwangsläufig Kurse und Preise immer weiter in die Höhe, obwohl bei realer Betrachtung keine Wertsteigerung festzustellen ist, eher schon, vor allem bei Bestandsimmobilien mit dem üblichen Sanierungsbedarf, das Gegenteil.

Das Volumen der Überfinanzierungen hatte in Deutschland bereits Anfang bis Mitte der 90-ger Jahre Dimensionen erreicht, die nicht mehr zu bewältigen waren. Der Fall Schneider ist ein Beispiel, vor allem aber das von der damaligen Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG angerichtete Desaster mit Joint-Venture-Finanzierungen, das erst durch die „Rettung“ der HypoRealEstate HRE), die als Bad-Loan Bank gegründet worden war, gestoppt wurde, allerdings nur vorläufig.

Dazu sind sage und schreibe 143 Milliarden an Steuermitteln und Staatsgarantien bereit gestellt worden.

Woran es den Banken bei diesen Kreditgeschäften (die Deutsche Bank spricht in einer am 18.09.2017 veröffentlichten Studie von „massiver Kreditschöpfung aus dem Nichts“, siehe www.geldhahn-zu.de – 3. Runde) allerdings fehlt, ist die Lizenz zum Gelddrucken bzw. zum Geld schöpfen.

Diese soll sich nach Auffassung der Bankjuristen aus einer allgemeinen Übung ergeben, also aus einer von vielen Menschen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, als betrügerisch empfundenen Praxis.

„Das sind alles Verbrecher“ sagte mir kürzlich mein Nachbar, über 80 Jahre, alleinstehend und sich selbst versorgend.

Wir (Banker, Ökonomen, Juristen, Naturwissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Architekten, Immobiliensachverständige u.a.) haben uns schon ab 2012 mit dieser Frage beschäftigt und sind bereits damals zu dem Ergebnis gekommen, das es „Kein Recht zur Geldschöpfung“ gibt, jedenfalls kein verfassungsgemäßes Recht. Auch sind viele Spielarten der Geldschöpfung aus dem Nichts bei Licht besehen strafbar (§§ 54, 3 Nr. 3 KWG, § 331 I Handelsgesetzbuch – HGB) www.geldhahn-zu.de.

Allerdings hat sich durch Nichtanwendung der Strafgesetze, Deregulierung genannt, vor allem der strafbare Anteil der Geldschöpfung aus dem Nichts prächtig entwickelt und wird uns jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erneuten Crash bescheren.

Dieser sollte aber dann endlich durchgreifende Konsequenzen haben bis zur Schließung der Börsen, zumindest solange es noch die unkontrollierte und nicht sanktionierte Geldschöpfung aus dem Nichts durch private Banken und Sparkassen gibt, vor allem, wenn sie zur Überfinanzierung ausarten kann.
Wenn es zu diesen aus meiner Sicht unvermeidlichen Konsequenzen kommt, kommen muss, ist der Empfehlung an den „Otto Normalverbraucher“, er könne und solle sogar Altersvorsorge durch Aktienkauf betreiben, vor allem zum jetzigen Zeitpunkt, mit großer Skepsis zu begegnen.

Diese Skepsis dürfte auch Wolfgang Freisleben haben, der am Schluss seines Artikels „Wie die Banken Geld aus Luft erzeugen“ klar macht, dass die Banken kein Interesse daran haben, dass der „Otto Normalverbraucher“ weiß, dass die Banken Geld selber aus Luft erzeugen:

Selbstverständlich hat die Bankenwelt aber kein Interesse daran, dass jeder weiß, dass die Banken Geld selber aus Luft erzeugen und dafür Zinsen verlangen. Und dann womöglich Kreditkunden exekutieren, ihn ihre Wohnhäuser und sonstigen Wertgegenstände abnehmen und versteigern, um ihr zuvor wertloses Luftgeld in reale Güter umzuwandeln. Debt Asset Swap kann man das nennen.

Soweit der „Otto Normalverbraucher“ nach dieser Aufklärung meint, er solle seine Ersparnisse nun in Aktien anlegen, sollte er damit rechnen, dass die Aktienbörsen geschlossen werden, jedenfalls solange die Gefahr der Blasenbildung durch die Geldschöpfer aus dem Nichts besteht.

Zu denen zählt übrigens auch die EZB, die zurzeit den Takt vorgibt mit etwas, was fachchinesisch „Quantitive Easing“ genannt wird und nichts weiter bedeutet, als dass die EZB in großen Mengen Geld druckt, in der Hoffnung auf ein Wirtschaftswachstum, was nicht mehr stattfinden wird und auch, soweit es den Klimawandel vorantreibt, nicht mehr stattfinden darf, um ein System zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Die Zukunft kann damit jedenfalls nicht positiv gestaltet werden.

Es muss vielmehr ganz grundlegende Reformen geben, die in der Abtrennung der Zahlungssysteme von der Kreditschöpfung bestehen und eine Abwertung des Buchgeld-Euros (und zunächst des Buchgeld-Dollar) auf einen realistischen, das umweltverträgliche Wirtschaftswachstum spiegelnden Wert.
Die Kredit-/Geldschöpfung muss transparent erfolgen und demokratischer Kontrolle unterworfen werden.

Volkes Wille gegen Gier und Wahn.

 

*Aus Zauberforme(l)n – Geld aus Nichts von Hans Scharpf (Text) und Klaus Gajus Gorsler (Bild)
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