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2019-10-02 10:54:28 Geld und Magie
Geld und Magie

Geld und Magie

Veröffentlicht: 31.05.2019 13:36 Uhr | Lesedauer: 2 Minuten

Den Geldreformern, vornehmlich den Anhängern der Vollgeldreform (Monetative), wird häufig vorgeworfen, sie würden sich zu sehr am Geldsystem aufhängen. Dies sei ein Zeichen des Trends zur Irrationalität und zur Religiosität in der gesellschaftlichen Debatte.

Die Frage ist nur, wieso ausgerechnet kluge, belesene und klar denkende Mitglieder der Monetative, die mit wissenschaftlichen Methoden das gegenwärtige Geldsystem so gut analysieren, dass sie z.B. die Ursachen für die Blasenbildung an den Immobilienmärkten erklären können und effektive Vorschläge machen, wie dies zu verhindern ist, als quasi-religiöse Sekte abqualifiziert werden.

Bekanntermaßen (Zauberforme(l)n - Geld aus Nichts) scheue ich mich ja nicht, mich als Christ zu bezeichnen und verdränge nicht mehr die spirituelle Seite in mir. Dies ermöglichte mir zum einen den Zugang zu spirituellen und philosophischen Texten, also z.B. zur Bibel oder auch dem Götterglauben der alten Griechen und Römer, zum anderen aber auch die Erkenntnis, dass das jetzige Geld- und Finanzsystem selbst ein religiöses System ist, also ein auf Glauben (und Vertrauen) basierendes System, welches bereits Goethe (damals noch als Papiergeldschöpfung) als magisch durchschaut hatte (Binswanger, Geld und Magie - eine ökonomische Deutung von Goethes Faust).

Ein Glaubenssystem kann aber nicht durch Rationalität überwunden werden, sondern nur durch ein anderes Glaubenssystem. Leider ist in der Geschichte der Menschheit nur sehr selten ein Glaubenssystem durch ein anderes unblutig ersetzt worden und die Frontrunner sehr häufig als Ketzer und Verräter verfolgt, gefoltert und getötet worden. Das ist in sehr milder Form bisher mein Schicksal gewesen. Derartige Vorgehensweisen zeichnen sich meist dadurch aus, dass mit Irrationalität auf das Neue, das Weltbild umstürzende Erkennen eines Menschen reagiert wird, insbesondere, wenn es ernst genommen werden muss, weil es der Wahrheit sehr nahe kommt und diejenigen im wahrsten Sinne des Wortes entkleidet, die bisher für sich in Anspruch genommen haben, die Wahrheit zu besitzen, also heutzutage die Master of the Universe und die Mainstreamökonomie (bei den Juristen nennt sie sich die herrschende Meinung). Es ist dann völlig natürlich, dass diejenigen, die in einem solchen Glaubenssystem nach oben gekommen sind und nunmehr Macht, Einfluss und Geld = Reichtum erlangt haben, dieses System mit Zähnen und Klauen verteidigen und dabei zu allen Mitteln greifen. Am Anfang ist es noch Propaganda, irgendwann wird es Gewalt und Krieg. Zum Glück leben wir in einem Zeitalter des überwiegenden Friedens, vor allem in Mitteleuropa und sind überhaupt nicht militärisch gedrillt worden und verabscheuen Gewalt.

Das ist eine seltene Chance für einen unblutigen Systemwandel, den wir dringend brauchen, weil unsere vom heutigen Fiat-Money System getriebene Wirtschaftswachstumsideologie die Lebensgrundlagen und traditionell gewachsene Lebensgemeinschaften zerstört. Der Kapitalismus, der Geldglaube, frisst seine Kinder.

Das ist das Drama, in dem wir mittendrin stecken. Viele Beteiligte sind sich dessen nicht bewusst und wehren vor allem die spirituelle, magische Seite, den Hokuspokus ab und werden dadurch Opfer eines sehr irdischen Hokuspokus, den eine winzige Gruppe von Menschen seit vielen Jahrzehnten erfolgreich praktiziert hat und deren Zentren in New York, in London und in Frankfurt sich befinden. Der Lack ist allerdings einmal komplett abgebröckelt durch das Kaputtgehenlassen von Lehmann Brothers und den Folgen, dem Fukushima der Geldschöpfer in Wallstreet, Londoner City und Frankfurt am Main.

Wir sollten deshalb die anschließende Pinselsanierung als solche weiterhin bloßstellen, aber endlich auch ihre führenden Vertreter als Führer einer Sekte erkennen und benennen, die nur für sich selbst da ist und den Rest der Menschheit wie dummes Herdenvieh behandelt. Wir sollten also aus diesem Glaubenssystem so austreten, wie viele von uns aus der Kirche ausgetreten sind. u n d endlich in ein Glaubenssystem eintreten, dass der deutsche Idealismus einmal überragend verkörpert hat.

Hans Scharpf, 19.05.2019

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